Was meine Patentante mir bedeutet - ein Plädoyer fürs "KIWI"
- Tonia Heyckendorf
- 21. März
- 2 Min. Lesezeit
Dezember 2025 Vor zwei Monaten besuchte mich meine Patentante aus Hannover. Meine Patentante! Die wichtigste erwachsene Bezugsperson, neben meinen Eltern, als ich Kind war. Die Frau, die sofort gesagt hat: „Ich will Patentante werden!“, als das Jugendamt meine Eltern 1979 anrief und sagte: Ein kleines Mädchen sucht ein Zuhause. Meine Taufe war ein ganz besonderer Moment: Im Haar ein rotes Herz, um den Hals ein Anhänger mit einem eingravierten „T“, an der Hand: meine Patentante. Was haben wir gefeiert. Meine Eltern, meine Geschwister und ganz viele Freunde. Die Botschaft: Tonia ist jetzt da. Tonia ist willkommen.

Eltern wissen nie, wie sich das Leben ihres Kindes entwickeln wird. Und beeinflussen können sie diesen Weg nur bedingt (meine Biografie hat Blockbusterqualitäten). Meinen Eltern hat sicherlich so manches Mal der Atem gestockt. Aber Eltern können ihren Kindern etwas ins Reisegepäck mitgeben: das Versprechen, immer da zu sein, einen Kompass, mit dem sie immer wieder zurückfinden, eine Notfallnummer, die sie jederzeit wählen können, das Versprechen, als Eltern ihr Bestes zu geben und jeden Actionfilm auszuhalten, auch wenn sie eigentlich „zu alt für den Scheiß“ sind. Beim Kinderwillkommensfest, der Alternative zur Taufe, wird dieser Koffer von Eltern befüllt und das Reisebündel gemeinsam mit den Paten mit Wünschen und Hoffnungen festgezurrt.
Als meine Patentante nach Stuttgart zu Besuch kam, hatte sie nur einen Wunsch: bloß kein Entertainment-Programm! Lass uns einfach nur reden, den Moment feiern und uns freuen, dass wir uns haben. „Wie bei meiner Taufe“, dachte ich. Festhalten, was ist, denn keiner weiß, was kommt. Meinen Reisekoffer habe ich bis heute nicht verloren. Sein Inhalt hat mir gute Dienste geleistet. Den T-Anhänger habe ich auch noch! Und den werde ich bei der nächsten Gelegenheit wieder gründlich aufpolieren. Versprochen!




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